Vor Ort
Rastatt, 10.09.2009
100-jähriges Jubiläum der Affentaler Winzergenossenschaft


mit der AWG das 100-jährige Jubiläum.
An der Wiege der Affentaler Weine ist am Freitagabend ganz offiziell das 100-jährige Jubiläum der Winzergenossenschaft gefeiert worden. Bewusst war für den feierlichen Festakt das stimmungsvolle Ambiente des Holzfasskellers gewählt worden, der eigens hierfür umgestaltet wurde. "Wir fühlen uns zwischen den Spätburgundern wohl", lobte Bundestagsabgeordneter Peter Götz die stilvolle Ausrichtung des Festaktes.
Nachdem im März bereits mit der großen Winzerfamilie der Geburtstag im Bürgerhaus Neuer Markt begangen wurde, wollte man am Freitag das Fest mit den Partnern aus Wirtschaft, Politik und verschiedenen Organisationen begehen, erklärte Vorstandsvorsitzender Reiner Huber in seiner Begrüßung. Dank kurz gehaltener Grußworte und humorig aufgearbeiteter Historie durch Stadtarchivar Michael Rumpf stand der Genuss im Mittelpunkt: Prickelndes zur Begrüßung, die Weinpalette zum Büfett und zur Krönung Ohrenschmaus mit der Solistin Diana-Marina Fischer, begleitet am Klavier von Klaus-Martin Kühn. Die Opernsängerin aus Baden-Baden, die an verschiedenen Musiktheatern als Sopranistin wirkt, begeisterte vor der Holzfasskulisse mit Ausschnitten aus "May fair Lady", "Lustige Witwe", "Bettelmann" sowie dem Schwipslied aus "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß.
Über die Folgen des Weingenusses wurde schon in der Bibel sinniert, zitierte OB Hans Striebel aus dem Buch Jesus Sirach. Das Stadtoberhaupt zeigte sich zuversichtlich, dass das weltweit beliebteste Getränk eine hoffnungsvolle Zukunft hat. In Bühl jedenfalls sei die Traube wie die Zwetschge ein Symbol für Fleiß, Qualität, Idealismus, Schaffenskraft und Lebensfreude. Der Geburtstag stehe für "100 Jahre harte Arbeit der Winzer", dankte Peter Götz, der mit Stolz feststellte, "dass die AWG längst über die Region hinaus einen guten Ruf besitze und er bei seinen Reisen im In- wie Ausland immer wieder Affentaler entdecke.
Mit Landrat Jürgen Bäuerle war er sich über die Bedeutung der Kombination gutes Essen und guter Keller einig. "Der Weinbau genießt bei uns als Wirtschaftsfaktor und Werbeträger einen hohen Stellenwert", erklärte Bäuerle. Mit Blick darauf, dass der Bundesbürger im Schnitt 24 Liter Wein im Jahr trinke, sei um die Zukunft der Genossenschaft nicht bang, rechnete er Geschäftsführer Ralf Schäfer vor, dass demnach allein im Landkreis Rastatt über 6,7 Millionen Liter Wein benötigt würden. Leider, so stellte der Präsident des badischen Weinbauverbandes, Gerhard Hurst fest, "ist nur 50 Prozent deutscher Wein, der getrunken wird". Vehement sprach er sich deshalb gegen die von der EU für 2015 geplante Aufhebung des Anbaustopps aus. "Die Landschaft und ganze Strukturen könnten sich dadurch erheblich verändern", befürchtet er Preisverfall und damit einhergehende Arbeitsplatzverluste.
Vor 100 Jahren kämpften die Winzer schon einmal mit Existenzängsten, die schließlich zur Gründung des Naturweinbauvereins führten, erinnerte Günther Junker vom Baden-württembergischen Genossenschaftsverband an die genossenschaftliche Idee und Ziele: "Genossenschaften sind heute auch am Markt orientierte Wirtschaftsunternehmen, aber sie sind immer noch mitgliederorientiert und haben die Existenzsicherung der Winzer als Ziel."
Die Zukunft sieht Konrad Geppert, Sprecher der Ortenauer Winzergenossenschaften, in weiteren Kooperationen beim Einkauf und Vertrieb sowie in sinnvollen Fusionen, "wo die Partner zusammenpassen", um auf dem immer härter werdenden Markt bestehen zu können. Fusionen hat die heutige AWG schon einige hinter sich, blendete Festredner Michael Rumpf in seinem Vortrag zurück. So schlossen sich 1937 die Naturweinbauvereine Affental und Eisental zusammen, 1949 waren es Altschweier und Kapplwindeck, 1973 vereinigten sich alle Bühler WGs zur AWG. 600 Mitglieder bewirtschaften in den 70er Jahren 200 Hektar Rebfläche, so dass die Lagerkapazitäten eng wurden und der Neubau an der B3 geplant wurde.
Mit alten Film- und Fotoaufnahmen rundete Michael Rumpf seinen Ausflug in die Geschichte ab, der einen Eindruck von den Sorgen der Winzer vor mehr als 100 Jahren vermittelte.