Vor Ort 2008
Rastatt, 08.8.2008
Peter Götz im Fischer-Haus
Ziel der Fachklinik ist Wiedereingliederung Suchtkranker ins Berufsleben


Götz (l.) informierte sich bei den Leitern der Fachklinik Fischer-Haus, Stephan Peter-Höner (M.) und Erwin Seiser, über die aktuelle Entwicklung der Einrichtung und besichtigte dabei auch den neuen Fitnessraum.
Foto: Fischer-Haus
Das Fischer-Haus, Fachklinik für Rehabilitation suchtkranker Männer in Gaggenau Michelbach, investiert in seine Räumlichkeiten. In der Einrichtung stehen Umbaumaßnahmen mit einem Volumen von rund 400.000 Euro an. Das erfuhr jetzt der mittelbadische Bundestagsabgeordnete Peter Götz (CDU) bei einem Besuch im Rahmen seiner diesjährigen „Sommertour vor Ort“ mit dem Schwerpunkt Soziales.
Von der gesamten Investitionssumme entfallen 300.000 Euro auf die Umges-taltung und zeitgemäße Modernisierung der Küche. Um Platz für eine Abtrennung der Spülküche zu schaffen, wird der Speiseraum vorgezogen und ein Wintergarten angebaut. Weitere 100.000 Euro müssen für die Sanierung des Daches aufgebracht werden.
„Nur aus den Pflegesätzen könnten wir diesen hohen Betrag nicht finanzieren“, zeigten sich der fachliche Leiter der Fachklinik Stephan Peter-Höner und der kaufmännische Leiter Erwin Seiser dankbar, dass sich das Land Baden-Württemberg mit 40 Prozent an den Kosten beteiligt. Gleichzeitig kritisierten sie den Beschluss, derartige Investitionskostenzuschüsse künftig nicht mehr zu gewähren. Auch Peter Götz brachte sein Unverständnis über diese Entscheidung zum Ausdruck: „Wenn soziale Einrichtungen bei solch großen Maßnahmen nicht unterstützt werden, führt das unweigerlich zum Verfall der Bausubstanz.“
Bereits im vergangenen Jahr hatte das Fischer-Haus 260.000 Euro in die Modernisierung der Patientenzimmer und einen neuen Fitnessraum investiert. „Die Geräte werden zu Therapiezwecken ebenso eingesetzt wie zur Freizeitgestaltung“, betonten die Fachklinik-Leiter.
Das Fischer-Haus verfügt über 55 Plätze für suchtkranke Männer. Im Mittelpunkt steht dabei die Alkoholsucht. Stephan Peter-Höner ging auf die Patientenstruktur der Rehabilitationsklinik ein. 75 Prozent seien Arbeitslose, viele hätten keine Familie mehr oder seien bei problematischen Wohnverhältnissen von Obdachlosigkeit bedroht. „Eine besonders schwierige Problemstellung, da neben den körperlichen und psychischen Belastungen auch gravierende soziale Folgen bearbeitet werden müssen.“ Als sehr wichtig nannte er es daher, die Suchtkranken nicht nur während der viermonatigen Rehabilitationsbehandlung, sondern auch danach zu unterstützen. „Rund ein Viertel unserer Patienten ist rund zwei Jahre im System“, sagte Erwin Seiser. Im Anschluss an den Aufenthalt im Fischer-Haus schließt sich oft eine halbjährige Trainingszeit in der Übungswerkstatt kombiniert mit betreutem Wohnen in Rastatt an. Ziel ist es, die Suchtkranken, die oft jahrelang keiner Beschäftigung nachgegangen sind, wieder an geregelte Arbeit heranzuführen. Danach folgt in vielen Fällen ein Praktikum.
Seit rund zwei Jahren verfügt die Fachklinik über ein weiteres wirkungsvolles Instrument, um Patienten nach der Therapie wieder ins Berufsleben zu integrieren: Der „Förderverein zur Wiedereingliederung Suchtkranker“ akquiriert aktiv Arbeitsplätze und arbeitet dabei eng mit der Arbeitsg-meinschaft für Beschäftigung (Arge) in Rastatt sowie Unternehmen zusammen. In dem Projekt werden laufend sechs Teilnehmer betreut.
„Es geht auch darum, die Arbeitsplätze gezielt zu stricken“, verdeutlichten die Fachklinik-Leiter im Gespräch mit Peter Götz. Das Prinzip: Die Arbeitgeber stellen die Suchtkranken zunächst nicht selbst ein, sondern schließen einen Dienstleistungsvertrag mit dem Verein ab. Zwei Projektteilnehmer konnten auf diese Weise bereits in feste Arbeitsverhältnisse vermittelt werden. Als wesentlichen Grund für diesen Erfolg nennt Stephan Peter-Höner die Betreuung der Suchtkranken am Arbeitsplatz: Eine Mitarbeiterin des Vereins steht ständig als Ansprechpartnerin zur Verfügung – auch für die Arbeitgeber. „Der Förderverein hat sich als letzter Schritt in die Integration hervorragend bewährt.“