Vor Ort 2008
Rastatt, 05.8.2008
Peter Götz besucht Murgtal-Werkstätten: Behinderte erwirtschaften Jahresumsatz von drei Millionen Euro


Götz (2.v.l.) informierte sich auf seiner diesjährigen "Sommertour vor Ort" über die Arbeit der Murgtal-Werkstätten in Ottenau. Foto: Lebenshilfe
"Mit einem Jahresumsatz von drei Millionen Euro sind die Murgtal-Werkstätten ein leistungsfähiger Wirtschaftsbetrieb." Das betonte Rudolf Fritz, Geschäftsführer der Lebenshilfe Kreisvereinigung Rastatt/Murgtal, beim Besuch von Peter Götz. Der mittelbadische CDU-Bundestagsabgeordnete hatte im Rahmen seiner "Sommertour vor Ort" mit dem Schwerpunkt Soziales in der Hauptwerkstatt in Gaggenau-Ottenau Station gemacht. Dort werden aktuell 145 Menschen mit Handicaps beschäftigt, gefördert und betreut. Nimmt man die Standorte in Rastatt und Muggensturm hinzu, so bieten die Murgtal-Werkstätten derzeit Dauerarbeitsplätze sowie Betreuungsmaßnahmen für 375 Behinderte.
"Wir profitieren vor allem von der Automobilindustrie", sagte Rudolf Fritz beim Rundgang durch die Produktionsabteilung, wo Peter Götz auch mit den behinderten Mitarbeitern das Gespräch suchte. Mercedes Benz gehöre ebenso zu den Kunden wie Siemens, Bosch und zahlreiche Zulieferbetriebe. Einrichtungsleiter Jörg Reuter ergänzte: "Hauptsächlich werden mittelgroße Serien gefertigt, wobei der Preisdruck seit Jahren zunimmt. Massenprodukte laufen nicht mehr."
Peter Götz zeigte sich beeindruckt von dem breiten Arbeitsspektrum und der Vielzahl der Produkte, die in den Werkstätten hergestellt werden. Das Tätigkeitsfeld umfasst beispielsweise Stanz-, Säge- und Montagearbeiten im Metallbereich. Zudem werden elektronische Bauteile gelötet und für die Produktion vorbereitet. Hinzu kommen Verpackungsarbeiten. Wie jedes andere Unternehmen müssen auch die Murgtal-Werkstätten ständig daran arbeiten, wettbewerbsfähig zu bleiben. So steht derzeit die Anschaffung einer Lötmaschine an, die ohne Blei auskommt.
"Die Menschen hier leisten produktive Arbeit, genau wie nicht behinderte Arbeitnehmer", sagte Peter Götz anerkennend. Um die hohe Leistung sicherzustellen und dennoch den Handicaps der Beschäftigten gerecht zu werden, sind besondere Maßnahmen erforderlich, wie Jörg Reuter erklärte: "Wir teilen Fertigungsprozesse in bis zu zwölf Teilschritte auf, damit auch schwächere Mitarbeiter teilnehmen können." Die Arbeit in Teams fördere das Sozialverhalten und diene zudem dazu, den Menschen ein Gefühl für das Endprodukt zu vermitteln. Einige Teams arbeiten sogar teilautonom, das heißt sie koordinieren ihre Arbeit weitgehend selbstständig - von der Auftragserfassung über die Festlegung der notwendigen Arbeitsschritte, die Materialdisposition bis hin zur Monatage, Verpackung und dem Ausstellen des Lieferscheins.
"Es wird uns nicht in großer Zahl gelingen, Behinderte auf dem freien Arbeitsmarkt unterzubringen", sah Rudolf Fritz für die Zukunft einen weiter wachsenden Bedarf an Arbeitsplätzen in den Werkstätten, denn die Zahl der Menschen mit Handicaps nehme ständig zu. "Immer mehr Familien schaffen es heute nicht mehr, ihre behinderten Angehörigen alleine zu versorgen", wies er auf ein weiteres Problem hin, das mehr betreute Wohnangebote erfordere, die von der Lebenshilfe ebenfalls bereitgestellt werden. Peter Götz besichtigte zum Abschluss eines der beiden Wohnheime. Das "Ilse-Gundermann-Haus" in Ottenau bietet 26 stationäre Wohnplätze, die derzeit alle mit Beschäftigten der Werkstätten belegt sind. Rudolf Fritz: "Die Bewohner leben hier in Lebensgemeinschaften und werden von einem multiprofessionellen Team betreut. Unser Ziel ist ein größtmögliches Maß an Eigenständigkeit."