Termin
Berlin, 13.03.2008
Expertengespräch "Integration vor Ort"
Nach der Begrüßung durch den Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Leiter der Fraktions-Arbeitsgruppe „Integration“, Hartmut Koschyk MdB, erläuterte die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Prof. Dr. Maria Böhmer MdB, in ihrem Grußwort die politischen Rahmenbedingungen, in denen sich der Integrationsprozess bewegt. Eine wichtige Aufgabe sieht sie auch darin, den Zuwanderern im Aufnahmeland Deutschland ein herzliches „Willkommen“ entgegenzubringen. In diesem Zusammenhang bedankte sie sich auch bei den kommunalen Spitzenverbänden für die konstruktive Zusammenarbeit im Rahmen des Nationalen Integrationsplans der Bundesregierung. Sie führte aus, dass es gegenwärtig darum gehe, aus dem Stand der Einzelprojekte herauszukommen und den vielschichtigen Prozess als gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu begreifen.
Der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Fritz Schramma, führte in das Thema ein und erläuterte, dass neben dem „Platz für das Neue“ im Aufnahmeland auch die Annahme des vorhandenen Wertesystems seitens der Migranten eine der Grundvoraussetzungen für Integration sei. Der Integrationsprozess dürfe nicht als Einbahnstraße gesehen werden. Diese Position habe er auch gegenüber dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan bei dessen Besuch in Köln unmissverständlich vertreten. In der anschließenden Diskussion, durch die der kommunalpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Götz MdB, führte, erläuterte Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl am Beispiel der Stadt Bayreuth den Masterplan für Integration. Ayten Kiliçarslan, stellv. Generalsekretärin des DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) berichtete unter anderem über erste Erfahrungen mit den im Rahmen des Integrationsgipfels formulierten Zielen zu den Integrationskursen. Sie brachte ihre Sorge zum Ausdruck, dass die vorgesehenen Prüfungen viele Migrantinnen und Migranten zukünftig von der Kursteilnahme abschrecken könnten. Ali Ertan Toprak, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V., griff das von Peter Götz MdB hervorgehobene Prinzip der Gegenseitig auf. Er unterstrich, dass es wichtig sei, dass sich die Zuwanderer mit dem Aufnahmeland identifizieren. Er pflege jungen Migranten zu sagen: „Wenn Ihr Euch wie Ausländer verhaltet, werdet Ihr wie Ausländer behandelt“. Andererseits bemängelte er, dass seitens der Einheimischen die Bereitschaft gering ausgeprägt sei, integrationswillige neue deutsche Staatsbürger auch als gleichwertige Deutsche zu betrachten. Schmunzelnd führte er aus, dass er trotzdem fest daran glaube, dass der Name „Toprak“ in 100 Jahren – wie „Müller“ oder „Maier“ – als deutscher Familiennamen betrachtet würde. Vicente Riesgo, Bund der spanischen Elternvereine, bedankte sich für die klare integrationsfreundliche Politikausrichtung der jüngsten Zeit. Die meisten Spanier fühlten sich als Europäer in Deutschland sehr wohl. Entgegen der Vorstellungen mancher spanischer Politiker, der 70er und 80er Jahre, habe die spanische Gemeinde in Deutschland auf echte Integration gesetzt. Dies beginne mit der deutschen Sprache, die die jungen Spanier meist einwandfrei beherrschten – auch weil die Eltern das von Anfang an so wollten. Anhand des erlangten Bildungsstands belegte er den Erfolg dieses Weges, der der nächsten Generation in Deutschland neue Chancen eröffnet.
Abschließend würdigte Peter Götz das Engagement, das auf allen politischen Ebenen, aber auch bei den Menschen vor Ort zu verspüren sei. Mit Blick auf integrationsunwillige Zuwanderer stellte er fest, dass niemand gezwungen werde in Deutschland zu leben. Toleranz, gegenseitiger Respekt, aber auch Dank und Loyalität, seien schon in der Vergangenheit die Garanten für einen erfolgreichen Integrationsprozess gewesen. Dabei verwies er insbesondere auf die Hugenotten. Die Gruppe der französischen Protestanten machte im Jahr 1700 rund 25 Prozent der Berliner Bevölkerung aus.